Wunder, ein metaphysisches Gefühl

Die ersten Fragen, die sich ein Mensch zu Beginn seines Philosophiestudiums stellt, sind: Wie entstand überhaupt die Philosophie? Und warum bist Du an sie interessiert?

Bei der ersten Frage ist die Antwort ziemlich unschwer: Philosophie entsteht aus dem Staunen, das heißt aus dem, was wir als ein “metaphysisches Gefühl” bezeichnen könnten. Die Menschen, die sich mit den Antworten der Mythen nicht zufrieden gaben, haben in Griechenland angefangen, die Realität zu untersuchen und zu befragen, um eine vernünftige Durchdringung derselben zu erreichen. Aber warum rede ich von Staunen als metaphysischem “Gefühl”? Das, was ich zuerst sagen kann, ist, dass ich unter “Fühlen” nichts Unvernünftiges verstehe. Ich beziehe mich einfach auf das, was die Griechen souverän geschildert  haben, wenn es um das Prinzip selbst des Philosophierens geht (wie Platon und Aristoteles).

Wunder, Verwunderung ist in diesem Sinne ein Gefühl, das vor der Realität und ihrer geheimnisvollen Anwesenheit auftritt: Der Mensch wird damit in Erstaunen versetzt und versucht, sich um die Ursachen der Dinge zu erklären, die er vor sich ersieht. Dieser “Rechtfertigungsversuch” bildet der Übergang von Unwissenheit zu Weisheit. Das Wunder ist daher das, was die Menschen sozusagen dazu anregt, sich bestimmte Fragen zu stellen, und dadurch den Zustand der Unsicherheit und des Nichtwissens zu verlassen, in dem sie sich befinden. Der Philosophie liegt daher das Gefühl zugrunde, nichts Irrationales anzunehmen, sondern genau das Gegenteil zu verfolgen.

«Die Menschen – sagte Aristoteles – haben sowohl in unserer Zeit als auch am Anfang zu philosophieren aus Staunen begonnen, weil sie zunächst über die Phänomene erstaunt waren, die sich abzeichneten und die sie nicht zu bewältigen wussten; und dann gingen sie nach und nach weiter; denn sie standen vor größeren Schwierigkeiten  wie den Fragen nach den Affektionen des Mondes, der Sonne und der Sterne und dem Problem des Ursprungs des Weltalls» (Metaphysics, I, 2, 982 b, 13-17).

Genau anhand dieser Perspektive können wir jetzt auch die zweite Frage beantworten: “Warum ist Philosophie interessant?”. Antworten heißt, die Radikalität der philosophischen Forschung und ihres Zwecks aufzuzeigen. Es ist daher möglich, den Grund für das Interesse an diese edle Geistesdisziplin nur dann zu verstehen, wenn man ihren problematischen Charakter und ihr Ziel genau versteht. Dies bedeutet, dass diese vernünftige Untersuchung niemals scheitern wird: Denn es wird immer einen geben, der den Dingen gegenüber erstaunt sein wird, der also dieses alte und ständig neue Wunder erlebt und der versuchen wird, dem Wunder innerlich zu entsprechen, indem er aufrichtig nach der Wahrheit strebt.

Giovanni Covino

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