Jacques Maritain in der Tradition des gesunden Menschenverstands

Vorliegender Band  ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Zunächst können wir uns wieder mit der sogenannten “Tradition des gesunden Menschenverstands” vertraut machen, der Antonio Livi in ​​Italien spezifische Rekonstruktionen und fundierte Forschungen gewidmet hat. Laut Livi ist der gesunde Menschenverstand, in einem von Covino veröffentlichten Passus, ein philosophischer Begriff, der sich auf einige “sehr spezifische ursprünglichen Einsichten bezieht, die ein erkenntnistheoretisches Hintergrundwissen darstellen, das unumstößlich ist, da es in Wirklichkeit die Voraussetzung für jedes andere erkenntnistheoretische Wissen ist” (p.22).

Damit bietet Covino uns einen interessanten Einblick in die Geschichte der Philosophie, die die Position und Auffassung des gesunden Menschenverstands in der antiken, christlichen / mittelalterlichen, modernen und zeitgenössischen Philosophie rekonstruiert. Der Leser findet somit wichtige Informationen und genaue Überlegungen zu Platon, Aristoteles, Justin, Thomas, Pascal, Vico, Reid, Jacobi, Rosmini, Moore, Searle, Gadamer, Pareyson bis hin zu Garrigou-Lagrange, Gilson und Maritain. Hier fügen wir den zweiten Aspekt des Interesses dieses Buches ein: Es wird berücksichtigt die Rolle des gesunden Menschenverstandes im Denken von Maritain, der den gesunden Menschenverstand als den “festen Kern wahrer Gewissheiten” bezeichnet, die im Gewissen aller Menschen vorhanden sind. Diese Gewissheiten sind zu jeder Zeit da, und spontan mit der In-Gang-Setzung der Tätigkeit der Vernunft in uns auftreten . Diese Herangehensweise an Maritain ermöglicht es, einen produktiven Zugang zum globalen Denken des französischen Philosophen zu eröffnen, so dass wir – ein dritter Aspekt von Interesse – hinzufügen müssen, dass dieses Werk von Giovanni Covino ein Buch über Maritains spekulatives Denken überhaupt ist, mit dem der Autor auch keine Angst hat, sich theoretisch auseinanderzusetzen, nachdem er es sorgfältig rekonstruiert hat.

Covino stellt insbesondere Maritains Unterscheidung zwischen einem Wissen durch Neigung (a-konzeptuell – Inklination) und einem Wissen durch Erkenntnis (konzeptuell) in Frage. Es ist die erste Form von Wissen (auch als Wissen durch Konnaturalität bezeichnet), die den Verstand in die Gewissheiten des gesunden Menschenverstands einführt, welche sensible Evidenzen  umfassen (z. B. Körper sind ausgedehnt ), verständliche Einsichten (z. B. das Ganze ist größer als der Teil) und implikative Schlussfolgerungen aus diesen Grundsätzen. Aber könnte es tatsächlich ein Wissen geben, das nicht durch Konzepte vermittelt wird, fragt Covino in Bezug auf diesen Ansatz? Maritain könnte aber meiner Ansicht nach dazu entgegenstellen, dass unser konzeptuelles Wissen auf einer intuitiven Basis, oder (um mit Jacobi zu reden) auf einer wahr-nehmenden Basis beruht, und auf dieser intuitiven Grundlage zutage kommt.  Diese spezifische Form des spontanen (vordiskursiven, aber realen) Wissens, das wir gesunden Menschenverstand nennen, bietet die Grundlage an, auf der das Wissen durch seine entsprechenden (gewöhnlichen und philosophischen) Begriffe einwirkt. Das Buch von Covino hat den Verdienst, dass wir, wie aus seinen Entwurf der Fragenstellung gerade hervortritt, dazu eingeladen werden, grundlegende Fragen erkenntnistheoretischer und metaphysischer Art nachzudenken und zu überdenken.

Marco Ivaldo

Federico II Universität

Jacques Maritain in der Tradition des gesunden Menschenverstands

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